Mangel macht blind

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Mangel macht blind

Zuversicht bringt die Spielräume der materiellen Lebensumstände zum Ausdruck. Klar: Ressourcen und Selbstwirksamkeitsüberzeugungen sind daran gebunden, wie wir uns verausgaben können. Dieses Wissen schwingt auch in den Ergebnissen einer in der Fachzeitschrift „Science“ kürzlich veröffentlichten Studie mit. US-amerikanische Forscher stellten in mehreren Experimenten fest, dass Menschen, die unter einem Mangel leiden, sich stärker auf unmittelbare Herausforderungen konzentrieren, dabei aber langfristige Probleme aus dem Blick verlieren. Mangel als solcher - egal ob an Geld oder Zeit – rufe eine ganz eigene Denkweise hervor. Herrsche beispielsweise Geldmangel, dann erscheine jede Ausgabe dringender und bedrohlicher. Sie erfordere daher mehr Aufmerksamkeit. Dieses Prinzip der Fokussierung gelte nicht nur bei Armut, sondern auch bei Zeitmangel und anderer Knappheit.

Im Rahmen der Studie absolvierten mehr als 150 Studenten verschiedene an Computerspiele und Fernsehquizshows angelehnte Spielexperimente. "Die Ergebnisse zeigen, dass arme und reiche Spieler auf unterschiedliche Weise an die Aufgaben herangingen", sagen die Forscher. Probanden mit weniger Ressourcen hätten beispielsweise bei jedem Wurf länger überlegt und gezielt. Sie seien zudem nach Ende jeder Runde erschöpfter gewesen, obwohl ihre Spielzeit wegen mangelnder Ressourcen kürzer war als die der "reichen" Probanden. Menschen, die unter einem Mangel leiden, konzentrieren sich stärker auf unmittelbare Herausforderungen und treffen dadurch leichter langfristig falsche Entscheidungen.

Einen Artikel zu dieser Studie finden Sie im Wissensmagazin scinexx.de

Christoph Potting

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