Meinungen - Prof. Horst Steinmann

Prof. Horst Steinmann

Zwecke, Werte und Sinn

Aus den Formulierungen zum Projekt geht ja schon hervor, dass das Wort "Zuversicht" im Kontext von Handlungen ("in der Welt") anzusiedeln ist. Das ermöglicht eine begriffliche Bestimmung des Wortes. Im Folgenden beziehe ich mich auf einen Vortrag, den Herr Kollege Wohlrapp (Hamburg) gehalten hat und den Sie hier als PDF herunterladen können.

Wenn man "Handeln" versteht als ein Tun, "das auf "Gelingen" ausgerichtet ist, das insofern einerseits eine gewisse Orientiertheit schon mitführt, diese andererseits zu optimieren sucht" (Wohlrapp), dann wird deutlich, dass zum Handeln auch das "Mißlingen" gehört.

Unter dem Begriff 'Zuversicht' lässt sich dann eine mentale Einstellung (Disposition) verstehen, die das Gelingen des Handelns impliziert.

Dabei wäre mit Wohlrapp zu unterscheiden zwischen drei Ebenen: Zwecke, Werte und Sinn.

Zuversicht, die sich auf die Zweck- und Wertebene bezieht, kann durch Begründungen (und also diskursiven Vernunftgebrauch) bis zu einem gewissen Grade untermauert werden: (a) bei der Wahl der Mittel so, dass eine gute Chance zum Gelingen (Zweckerreichen) besteht; (b) bei der Wahl der Werte so, dass eine gute Chance zum Gelingen bei der Lösung von Zweck- und Wertkonflikten besteht (Frieden). Zuversicht in die Richtigkeit der gefundenen Orientierung bleibt gleichwohl nötig, weil Handeln immer unter Ungewissheit (bzw. Risiko) erfolgt und insoweit ex ante nur für eine (mehr oder weniger) gute Chance des Gelingens argumentiert werden kann. Verfügbar für die Prüfung des Gelingens sind die Kriterien, die in beiden Fällen durch Vernunftgebrauch gewonnen sind (Effizienz, Frieden).

Der dritte Fall bezieht sich auf die Sinnebene, bei der es um die "Richtigkeit des Ganzen menschlichen Lebens geht" (Wohlrapp). Für die Beantwortung der Frage, ob das menschliche Leben sinnvoll ist "haben wir keine - von ihm distanzierbaren - Gründe mehr". Darauf können wir nur vertrauen. "Und dieses tiefe Vertrauen, das Grundvertrauen, das ist die Basis allen Handelns, insofern es auf Gelingen ausgerichtet und damit tendenziell reflexiv ist." (Wohlrapp). Auch hier kann man das Wort "Zuversicht" verwenden.

Prof. (em.) Dr. Dr. h.c. mult. Horst Steinmann
Lehrstuhl für ABWL und Unternehmensführung
Nürnberg


Kurzvita

Prof. Dr. Dr. Horst Steinmann

Prof. Horst Steinmann ist Emeritus am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg. Dort hatte er den Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Unternehmensführung 30 Jahre inne. Während seiner Karriere als Wirtschaftswissenschaftler wurden ihm zwei Ehrendoktortitel verliehen. Außerdem erhielt er 2011 den Ehrenpreis des Forschungszentrums für Wirtschaft und Gesellschaft der Theo und Friedl Schöller Stiftung für sein Lebenswerk. Prof. Steinmann war  von 1993 bis 2001 Präsident des Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik (dnwe), das er 1993 mit gegründet hat. Ferner hat er als Mitglied des Board des European Business Ethics Network (EBEN) fungiert, welches er ebenfalls 1986 mit gegründet hat. Er hält weiterhin Vorträge und veröffentlicht Schriften.

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