Meinungen - Reinhard Schlieker Geldwerte

Reinhard Schlieker

Geldwerte

Hat eine Haltung, eine Stimmung wie die Zuversicht eigentlich im Wirtschaftsleben, bei Banken und Börsen etwas zu suchen? Die Zuversicht, die sich auf tief empfundene positive Grundhaltungen stützt? Viel eher haben wir es dort doch mit Antrieben wie Gier und Gewinnstreben zu tun, mit Verlustängsten jeder Couleur, oder mit dem Neid, der biblischen Todsünde - wenn es etwas Harmloses sein darf, auch gern mal Optimismus? Aber im Geldwesen und seinen artverwandten Sachgebieten hat Zuversicht natürlich ihren Platz. Sie ist vermutlich ebenso wie im restlichen Leben Ausdruck von zustimmender Weltsicht: das Wohl aller hängt von einer funktionierenden Wirtschaft ab, in welcher Ausprägung sie auch immer daherkommt. So hatte sie ihren Platz sicherlich beim urzeitlichen Jäger wie beim Sammler, beim mittelalterlichen Kaufmann ebenso wie beim modernen Sparer. Optimismus reicht nämlich nicht. Wer nur darauf hofft, es werde schon alles gut gehen, hat eben keinen wirklichen Grund, zuversichtlich zu sein. Er ist dem, was kommt, eher passiv ausgeliefert. Zuversichtliche Geisteshaltung macht sich im wahrsten Sinne des Wortes da schon eher bezahlt, sie setzt nämlich eine innere Beschäftigung mit den Verhältnissen voraus, um eben eine solche Haltung entwickeln zu können. Erst wenn man die Voraussetzungen erkennt, kann man den Ausgang einer Unternehmung versuchen einzuschätzen. Dass es keine Prophezeiungen gibt, auf die man sich verlassen kann, sollte man allerdings wie übrigens im ganzen Leben als Grundlage akzeptieren. Aber die hat der Optimistische, der Spekulant ebensowenig, und riskiert doch viel eher einen gehörigen Dämpfer. Ohne Zuversicht also kein Unternehmertum, sollte man annehmen. Kaum jemand gründet aufgrund purer Hoffnung ein Unternehmen. Alle die bekannten Vorarbeiten, von der Marktforschung bis zur Standortwahl, dienen der Untermauerung einer Zuversicht des Unternehmers. Wenn dann auch noch Optimismus hinzukommt, gut. Dem Börsenspekulanten sagt man dagegen nach, er setze auf eine Art Roulette, und manchmal ist das sicher so. Allerdings zeigt die Fülle von Ratgebern, Tipps und Strategien, dass man sehr gern etwas hätte, was daneben auch Zuversicht begründen kann. Solange die reale Wirtschaftsentwicklung die Grundlage des Börsengeschehens bleibt, könnte das auch gelingen. Den Zocker allerdings kann man sich eher nicht als zuversichtlichen Menschen vorstellen.

 

Kurzvita

Portrait Reinhard Schlieker

Reinhard Schlieker ist seit 2000 Wirtschafts- und Börsenredakteur und Moderator im Börsenstudio des ZDF in Frankfurt am Main und Redakteur Wirtschaft/Finanzen, zuständig für die Sendungen des Bereiches der Hauptredaktion Aktuelles in Mainz. Während seines Studiums der Germanistik und Geschichte arbeitet er als freier Journalist für diverse Zeitungen, darunter auch die „FAZ“ und „die Zeit“. 2002 veröffentlichte er sein Buch „Zwischen Reibach und Ruin – aus dem Tagebuch eines Börsenreporters“.

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